Lebendige Brauchtumspflege Drucken
Geschrieben von: Karin Weber   
Donnerstag, den 17. November 2016 um 17:58 Uhr

Tanz- und Trachtengruppe Harxheim zeigt deutsche Volkstänze in historischen Kostümen

Von Karin Weber

Foto: Tanz- und Trachtengruppe Harxheim Foto: Tanz- und Trachtengruppe Harxheim

HARXHEIM – Die Freude am Volkstanz ist den Aktiven der Tanz- und Trachtengruppe der SG 03 Harxheim bei der Eröffnung des diesjährigen Weinhöfefestes anzumerken. Hier sowie zur Kerb der rheinhessischen Weinbaugemeinde erfreuen sie ihr Publikum mit überlieferten deutschen Volkstänzen. Festliche Auftritte in Nachbargemeinden oder bei Trachtenumzügen der Umgebung – zuletzt beim Rheinland-Pfalz-Tag in Alzey
– gehören zum Selbstverständnis der Volkstänzer. „Ich erarbeite mir die Tanzschritte anhand von Tanzschriften und bringe sie dann der Gruppe bei“, sagt Nicole Muth. Die langjährige Übungsleiterin nimmt regelmäßig an verschiedenen Workshops teil, um ihre Aktiven fachkundig anzuleiten.

Doch zunächst ein Blick in die Vereinsgeschichte: Gegründet wurde die Gruppe als Volkstanzgruppe der Sportjugend Rheinhessen am 1. Dezember 1963 im Rahmen eines Lehrgangs der Sportjugend des Kreises Mainz- Land in der Sportschule Seibersbach. 1975 übernahm Friedrun Roßbach die Gruppe und siedelte sie in Harxheim unter der Sportgemeinde 03 an.


Bis man sich 1986 zum Tragen einer eigenen Tracht entschied, habe man in blau-weißer Kleidung getanzt. Die neue Tanzkleidung sollte allerdings auf echten Grundlagen beruhen und keine Fantasietracht sein. Vom damaligen Leiter des Bodenheimer Heimatmuseums, Rüdiger Gottwald, erhielt Friedrun Roßbach die Abbildung eines rheinhessischen Winzerpaares in Tracht aus dem Jahr 1844.

Keine Fantasietracht

Anhand dieses Vorbilds fertigte eine Uniformfabrik in Tübingen die kostbaren Gewänder, die die Harxheimer zum ersten Mal beim Weinhöfefest 1987 bestaunen konnten. Die Damen traten mit blauem Rock, goldener Schurz, schwarzem Mieder und weißer Bluse auf, die Herren mit senffarbener Hose, weißem Hemd, weinroter Weste und bei festlichen Gelegenheiten mit Bratenrock. In Anlehnung an die französische Vergangenheit Rheinhessens erhielten sie einen schwarzen Dreispitz.

Die Hauben der Damentracht fehlten jedoch zunächst. „Das Alzeyer Stadtmuseum hatte in seinem Bestand eine echte alte Hochzeitshaube, etwa aus der Zeit um 1850, die uns damals als Vorbild gedient hat“, sagt die heutige Trainerin. Ein Hauben- Restaurator aus Eggmannsried gab den Tänzerinnen Anleitungen, ihre Hauben selbst zu fertigen.

Selbstgefertigte Hauben

Vorsichtig holt Nicole Muth eine reichhaltig bestickte und mit weißer Spitze verzierte Haube aus ihrer Hutschachtel. „Alleine für das Sticken der Verzierung mit Goldfäden wurden etwa 50 Stunden pro Haube investiert“, sagt sie lächelnd und hält ihre blaue Haube stolz in die Kamera. Denn dieser festliche Kopfschmuck mit den breiten Zierbändern macht die Damentracht zu einem wahren Hingucker.


Aktuell besteht die Trachtengruppe aus 17 Aktiven, trainiert wird zweiwöchentlich sonntags von 18 bis 19.30 Uhr in der Harxheimer Sporthalle. Direkt im Anschluss treffen sich die Tanzfreunde, die „aus Spaß an der Freud“ ihr Tanzbein schwingen. Neun Unterrichtseinheiten absolviert
Nicole Muth wöchentlich für ihren Verein, denn schon die Kleinsten sind in der Tanz und Trachtengruppe der SG 03 willkommen. Spielerisch kreativ werden die Drei- bis Vierjährigen und die Fünf- bis Sechsjährigen an Takt und Rhythmus herangeführt. Kleine Choreografien für Kreis- und Paartänze sowie erste Line-Dance-Figuren bilden das Repertoire der verschiedenen Altersgruppen im Kindertanztreff. Apropos Line Dance: Direkt im Anschluss an den Kindertanztreff erobern die Linedancers den Tanzboden. Auf fast jede Art Musik wird in der Reihe, manchmal auch aus der Reihe getanzt. „Alle, die nun neugierig geworden sind, dürfen ihre Turnschuhe einpacken und in der Sporthalle vorbeikommen“, lädt die Trainerin Interessierte zwischen 3 und 88 Jahren ein.

Quelle: Wormser Wochenblatt, Samstag 12. November 2016

http://rhein-main-wochenblatt.de/wp-content/uploads/epaper/20161112_865.pdf

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 20. November 2016 um 10:34 Uhr